Die Schützengesellschaft

Der Schützensport ist wohl eine der ältesten Freizeitvergnügungen der Menschheit. Was aus der Notwendigkeit der Namensbeschaffung mit Pfeil und Bogen in der Steinzeit begann, setzte sich als Verteidigung mit Armbrust und Schusswaffen fort. Wie Regina Ille-Kopp in ihrem umfangreichen Buch nachwies, gab es im Gebiet des heutigen Württemberg seit dem 13. Jahrhundert Schützengesellschaften. Jürgen Hermann Rauser hat für Künzelsau festgestellt, dass diese Tradition bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Damals ließ sich das militärische Element nicht streng vom Freizeitvergnügen trennen. Und es ist auch in der hier zu schildernden Geschichte der SG Künzelsau nicht möglich - im Gegenteil! Das Hohenloher Land gehörte seit 1806 zu Württemberg. Es herrschte der "dicke Friedrich" - ein absolutistischer Monarch, der aufgrund der "Napoleonischen Flurbereinigung" große Landstriche bekommen hatte. Das kleine Herzogtum wuchs in zehn Jahren zu einem großen Königreich, und der König war mit der Organisation seines Reiches vollauf beschäftigt. Das Jahr 1809 brachte einen Umbruch mit sich. Es war das Jahr der Einführung einer allgemeinen Militärpflicht. Es war das Jahr des Mergentheimer Aufstands, als sich die Deutsch-Ordens-Untertanen gegen ihren neuen Herren auflehnten. Es war das Jahr der Ablieferung aller Gewehre auf den Rathäusern und das Ende des kommunal geförderten Schützenwesens. Zur Unterdrückung der Freiheit der Bürger gehörte auch, ihnen die Wehrhaftigkeit zu nehmen. Allerdings schon bald, als Napoleons Stern zu sinken begann, wurde 1814 der Landsturm organisiert, denn nur ein Volk unter Waffen, nur die gemeinsame Anstrengung aller, konnte den Franzosen endgültig in die Flucht schlagen. 1816 kam es nach dem Tod Friedrichs zu einem neuen Regiment, unter dem wesentlich liberaler eingestellten König Wilhelm I. Dieser gab dem Land 1819 eine neue Verfassung, das Klima für die Gründung von Schützengesellschaften war besser. In Künzelsau entstand ein Wildschützenverein, der 1822 bis 1827 nachzuweisen ist.
Ille-Kopp schildert, dass auch Bürgergarden gebildet wurden und diese eine große Konkurrenz zu den Schützenvereinen dar-stellten. Nun, wir sind an der Geburtsstunde der Künzelsauer Schützengesellschaft und wollen sehen, wie sich hier das Verhältnis entwickelte.
Die Künzelsauer Gemeinderatssitzung vom 17. Mai 1827 liefert uns die erste Spur:
"Eine vereinigte Anzahl hiesiger Bürger haben die Erlaubnis erhalten eine Schüzen Gesellschaft zu bilden, uns dieserwegen gebetten ihr die Aufrichtung der benötigten Stöke, mit einer kleinen Bretterhütte, zum Scheibenschiessen, in der Gemeinde-Laimen-Gruben zu gestatten, weil fraglicher Plaz abgelegen, Niemand hiedurch jenirt werde, auch gefahrlos seye. Zu Belebung des sich gebildeten Instituts einer Schüzen Gesellschaft, wurde be-schlossen. Die Errichtung der benötigten Stöke u: einer Hütte für den Bedarf des Scheiben Schissens in derhiesigen Gemeinde LaimenGruben unter der aus-drüklichen Bestimmung zu gestatten, daß sich die SchüzenGesellschaft mit dem gegenwärttigen Pächter des Laimen Gruben Guths auf allenfallsig anzurichtenden Schaden abfinde und klaglos stelle, auch diese Bewilligung sich an die Bedingung knüpfe, daß wenn fraglicher Plaz zu einem Andern Zweke benuzt oder verwendet werden oder diese Einrichtung der Stadt nicht mehr konveniren sollte, diese Begünstigung aufzuhören habe, u: das errichtete abzubrechen seye."Schon am 20. März 1828 bat Joseph Meßner namens der Schützengesellschaft um die Verpachtung der Seewiese auf sechs Jahre. Der bisher bestehende Schießplatz in der Lehmgrube war garnicht zu benützen. Die Wiese wurde für 30 Gulden jährlich an die Gesellschaft überlassen.


Die Schützengesellschaft Künzelsau war somit ins Leben getreten.

(Auszug aus der Chronik 2002)